Vier Jahre App-Store: Eine Abrechnung

Allein aus eigenen Reihen haben wir in den letzten vier Jahren 60 Apps in den Apple-App-Store eingereicht. Mit Kundenprojekten kratzen wir an der 100er-Marke. Wir haben alle Daten der letzten Jahre aufbereitet und rechnen ab. Mit dem App-Store, mit Apple.


Was ist im Store?

In unserem eigenen App-Store-Account sind 53 iPhone-Apps und 7 Mac-Apps hinterlegt. Davon sind insgesamt noch 76,6% verfügbar. Der Rest wurde von Apple abgelehnt, von uns entfernt oder noch gar nicht eingereicht, weil das Projekt noch in Entwicklung ist. Die Chance, dass eine neu eingereichte OSX-App abgelehnt wird, ist damit 47,14% höher als die, dass eine frisch eingereichte iOS-App abgelehnt wird.



Apps pro Jahr

Pro Jahr reichen wir 6 bis 18 eigene App-Projekte in den App-Store ein. Die Zahl eigener Projekte hat mit jedem Jahr abgenommen. Grund dafür ist sowohl die steigende Komplexität der einzelnen Projekte als auch der Zuwachs an Kundenaufträgen, die natürlich Priorität haben. Abgenommen hat allerdings auch die Anzahl der abgelehnten Apps. Mit den Jahren haben wir gelernt, wie man mit Apples Review-Team umgehen muss.



Zeit ist Geld

Das größte Problem des App-Stores ist die Zeit. Kein Entwickler hat Zeit, kein Kunde will nach App-Store-Submit wochenlang mit totaler Ungewissheit warten bis das Apple-Team die jeweilige App bewertet hat. Eine unserer ersten Apps, iPsycho, hatte 2010 in nur 4 Stunden den kompletten Review-Prozess durchlaufen und somit noch am Tage der Einreichung im App-Store verfügbar. Heutzutage undenkbar.

Durchschnittlich hat es satte 12,70 Tage gedauert, bis Apple zu einer eingereichten App ein Ergebnis präsentiert hat. Wird eine App abgelehnt benötigt es 1,7 erneute Einreichungen, um das Review-Team zufriedenzustellen. Mit 32 Tagen und 3 Ablehnungen führt unsere QR-Code-Systemerweiterung die Liste der Review-Zeiten an. Das kürzeste Review darf unsere App für das Kreisfamilienfest 2014 mit 2,75 Stunden nach einem Antrag auf "Schnelles Review" für sich zu verzeichnen.



Wartezeit nach jahren

Der App-Store ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Unserer App-Plattformen-Übersicht kann entnommen werden, dass derzeit über 1.300.000 Apps im App-Store zum Download stehen, die schon über 75.000.000.000 heruntergeladen wurden. Mit der steigenden Zahl der Apps steigt natürlich auch die von Apple für ein Review benötigte Zeit. 2014 scheint dies seinen bisherigen Höhepunkt erreicht zu haben. Der kleinere Bereich zeigt die Wartezeit vorab, der größere Bereich die tatsächliche Review-Dauer.



Reviews

App-Reviews sind vernichtend. Nutzer sind unverschämt und zu unwissend, um wirklich qualifizierte Reviews abgeben zu können. Als Entwickler hat man leider keine Chance auf Reviews zu reagieren oder Details zum Problem zu erfragen. Selbst wenn der Fehler an iOS, einer nativen Gestenerkennung oder einfach dem Gerät des Nutzers liegt bekommt der Entwickler den vollen Hass des Käufers ab. Dieser hat ja schließlich 0,79€ aus dem Fenster geworfen. Das Review schreibt er natürlich mit seinem 700€-Telefon. Ein Bruchteil dieser Personen macht sich im Anschluss sogar die Mühe, sich den Kaufpreis von Apple erstatten zu lassen.


Gibt es ein Sommerloch?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Werten wir die Zeit, die es Dauert bis ein Review beginnt (Unten) und die Zeit, die das Review dann tatsächlich benötigt (Oben) stellen wir lediglich fest, dass die Wartezeit im Vorfeld zwar kleiner ist, die Review-Zeit aber deswegen nicht wirklich abnimmt.



Werden Apps wirklich geprüft?

Wir fragen uns oft, wie gut Apps wirklich geprüft werden. Ulreco ist beispielsweise eine App, die mit etlichen Fernsehern, Boxen und Lichtern kommunizieren kann. Geräte, die Apple nicht hat. Das Review dieser App verlief dennoch problemlos, denn wir haben einfach ein Funktionsvideo der App mitgeschickt. Später wurde dann die Funktion, direkt über die iPhone-Lautstärketasten den Fernseher zu bedienen, verboten. Eine Funktion, die trotzdem noch in anderen Apps aus unserem Hause vorhanden ist.

Wie leicht Updates den Prozess durchlaufen hängt nach unserer Erfahrung auch sehr stark vom übermittelten Update-Text ab. Apps die nur eine "Anpassung für iOS8" kommunizieren, flutschen regelrecht durch den Prozess.


Im App-Store herrscht Willkür. Man muss Glück haben und den richtigen Prüfer erwischen.

Ablehngründe und die Probleme als deutscher Entwickler

Ablehngründe gab es viele. Manche waren berechtigt, manche bemängeln den fehlenden Hinweis auf die Tatsache, dass Apps die auf das GPS-Modul zugreifen eben auch für eine verringerte Akkulaufzeit sorgen. Die Frage warum tausende Entwickler händisch für diesen Hinweis sorgen müssen obwohl Apple Apps, die sich entsprechend verhalten, automatisch erkennen und einen solchen Hinweis anzeigen kann, bleibt unbeantwortet.

Wieder andere Ablehngründe sind einfach der Tatsache geschuldet, dass das Review-Team vermutlich in den USA sitzt, unsere Apps aber zu einem großen Teil deutsch sind. Verständnisprobleme stehen also an der Tagesordnung. So hat beispielsweise ein deutscher Werbebanner der für ein Abo warb dafür gesorgt, dass der uns zugeteilte Prüfer dachte, wir wollen das Zahlungssystem des Apple-Store umgehen. Erst nach mehreren Iterationen und tagelangen Diskussionen konnten wir dieses Problem entsprechend klären.

Bleibt man hartnäckig ruft Apple auch gerne mal an. Natürlich zwischen 2 und 5 Uhr Nachts, geprüft wird ja in einer anderen Zeitzone.


Fazit

Der App-Store ist eine tolle Sache und vermutlich eine der klügsten Entscheidungen von Apple. Der Prozess von der App-Idee bis zum Download im App-Store ist immer noch unnötig kompliziert, die von Apple gelieferten Backends sind teilweise unkomfortabel. Die Entwicklung der letzten Jahre ist allerdings sehr positiv und das Einreichen einer App ist heutzutage viel einfacher als noch vor vier Jahren.

Apples Lösung ist mit der von Google gleichauf. Der Windows-Store ist unserer Meinung nach noch sehr viel weiter von dem entfernt, was Apple und Google schon heute bieten.

Wir freuen uns, mit 100.000-200.000 Downloads pro Jahr unserer eigenen Apps immerhin einen kleinen Teil zum weltweiten App-Traffic beitragen zu können hoffen, dass Apple mehr Zeit und Geld in die Pflege und Wartung der Entwicklertools investiert und schauen gespannt auf den App-Markt, der spätestens mit der Apple-Uhr seinen nächsten großen Sprung machen könnte.


Fragen zum Thema?

Gerne stehe ich für Rückfragen zur Verfügung!

thomas.kekeisen

Thomas Kekeisen

Geschäftsführer und Leitung Entwicklung


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